Mittwoch, 22. Mai 2013

Mittwoch, 10. April 2013

Gelesen // Vladimir Jabotinsky // Die Fünf

Es gibt Autoren, die lieben ihre Figuren und es gibt solche, die sie nur als Mittel zum Zweck betrachten. Vladimir Jabotinsky, der Autor des in der Anderen Bibliothek erschienenen Romans Die Fünf und später einer der führenden Köpfe des Zionismus, gehört ganz klar zur ersten Kategorie. 
Jabotinsky erzählt anhand der fünf Kinder von Anna Michailowna Milgrom die Geschichte vom Untergang des Zarentums und somit des jüdischen Odessas.
Das Schicksal von Serjosha, Torik, Marussja, Lika und Marko ist unweigerlich mit dem ihres Landes verbunden. Schnell wird klar - die Geschichte kann erst enden, wenn auch der Letzte von ihnen tot ist. 
Am meisten schmerzt diese Konsequenz den Autor selbst: Jeder der Fünf bekommt seinen maßgeschneiderten Tod. Keiner wird einfach entsorgt, (wie man es etwa von Thomas Mann kennt, der am Ende der Buddenbrooks den armen Hanno kurz und schmerzlos dem Typhus opfert - Mann fällt somit eindeutig in die zweite Kategorie!), nein der Tod eines Jeden repräsentiert ein letztes Mal perfekt, wer sie sind. 
Am schwersten kann sich der Autor von Marussja trennen. Die älteste Schwester, sinnliches Zentrum des Buches und der südrussischen Männerwelt, muss ihr Leben letztendlich auf ganz profane Art lassen. Beim Zubereiten der heißen Frühstückmilch für ihren kleinen Sohn enzündet sich ihr Morgenmantel, woraufhin sie diesen zuerst aus dem Zimmer bringt - er soll sie auf keinen Fall in dieser misslichen Lage sehen - bevor sie einen Löschversuch startet. Doch es ist zu spät - Marussja stirbt an ihrem legendären Stolz. 

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Donnerstag, 4. April 2013

Ö1 // Josef Winkler

Irgendwie bin ich schon altmodisch. Kochen und währenddessen tolle Radiosendungen hören, das macht mich zufrieden. 
So geschehen am Wochenende. 
Am Herd gurgelte die Suppe und im Radio wurde dem famosen Büchner-Preisträger Josef Winkler nachgespürt. 
Danach, wie könnte es anders sein, schnell noch einmal Natura Morta gelesen. Das Mahl zwar bloß auf der Salzburger Schranne, und nicht textgetreu am Campo de´Fiori zusammengetragen - trotzdem schloss sich der Kreis. 

Nachzuhören (bis Samstag) hier. (#)



Freitag, 22. März 2013

Merchandise #1

Letzte Woche in Zürich gewesen und zwei fantastische Vorstellungen gesehen: Der Menschenfeind in der Regie von Intendantin Barbara Frey und Die Geschichte von Kaspar Hauser von Alvis Hermanis. Beide zusammen, jeweils beeindruckend auf ihre ganz eigene Art, zeigen wie groß die Bandbreite an einem einzigen Haus sein kann. 
Beeindruckend waren aber nicht nur die Theaterabende, sondern auch das Merchandising: Keine schnöden Zündhölzer, sondern wunderbar designte Taschentücher lagen überall im Pfauen aus. 
Um sie standesgemäß zu ehren, dürfen sie hier nun eine kleine Serie über verkaufsfördernde Gratis-Artikel im Kulturbereich begründen. 

Nachtrag: Wie man am hipsterisierten Foto sehen kann, wage ich meine ersten Gehversuche auf Instagram. Kulturmäßig sieht es da ja noch mau aus - ich werde das ändern.  @viertewand 


Dienstag, 19. März 2013

Applaus, Applaus!

Foto: Thomas Aurin


Ob Fritsch nun noch Hype oder schon Kult ist, darüber macht man sich in München anscheinend noch keine Gedanken. (Ich auch nicht übrigens, wollte nur zwei absolute Hasswörter auf einmal verwenden.) Das Publikum der Revisor-Inszenierung vergangenen Samstag war auf jeden Fall eher gelangweilt bis genervt vom zweistündigen Theaterspaß. Ein Indikator für den Grad der Begeisterung im Auditorium ist ja meist auch der Applaus. Bei Fritsch nicht. Denn die Musik wird für den Endspurt nochmal raufgedreht und jeder der Akteure bleibt in seiner Rolle. Das Publikum klatscht so lange es muss. 

Schon bei der (S)panischen Fliege an der Volksbühne hat mich das verstört. Natürlich, jeder Applaus ist bis zu einem gewissen Grad inszeniert. Jedoch geht es meist nicht so weit, dass der Schauspieler in seiner Rolle bleibt.

Dieser Moment, in dem der Schauspieler den Charakter, den er die letzten Stunden verkörpert hat, abschüttelt und man die Diskepanz sieht, das ist einer der schönsten Theatermomente. Und Fritsch hat ihn uns genommen. 
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Note: Nichtsdestotrotz ein toller Abend.  

Meinen Applaus musste die Musik auch garnicht pushen.  

Sebastian Blomberg ist schon Grund genug, sich die Hände wund zu klatschen. 
Immer wieder.



Samstag, 9. März 2013

Auf Kampnagel


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Gestern auf Kampnagel zwei Dinge gelernt:
Erstens: Dass Regiestudenten ihre Abschlussarbeiten in einem kleinen, schlecht erreichbaren Aufführungsort ab vom Schuss präsentieren müssen, siehe Reinhardt-Seminar, ist nicht zwingend. Nein, eine Diplominszenierung kann auch gleich an einem etablierten Spielort vor den Augen jedes Interessierten, und nicht bloß vor einer wohlinformierten Halböffentlichkeit, stattfinden. Vor vollen Rängen, wohlgemerkt!
Zweitens: Dass ich die Entwicklungspotentiale des chorischen Sprechens immer unterschätzt habe. Die Spielarten seien begrenzt, dachte ich, das Terrain des Chors abschließend erkundet und abgesteckt. Gab es doch immer nur: Sehr ernst. Thalheimer-ernst. Oder sehr exaltiert. Fritsch-exaltiert. Oder total chaotisch. Vinge-chaotisch. Regisseur und HfKM-Absolvent Martin Grünheit dreht das Rad nun im Rahmen seiner Inszenierung von "The Tempest" ein Stück weiter und präsentiert: den kompetitiven Chor. Der, der sich behaupten kann, darf zu Ende sprechen, die Schauspieler bewerben sich um die Rollen in der jeweiligen Szene direkt auf der Bühne. Survival of the (text-)fittest quasi. Langwierige Castings kann man sich in Zukunft also sparen.
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Dienstag, 5. März 2013

Akademietheater// David Bösch// Der Talisman

Oben: Stadelmaier und Hiller sehen rot. #titusfeuerfuchs #punintended
Nestroy im Schonwaschgang war am Samstag im Akademietheater zu sehen. Lustig, ja eh, aber mit schalem Nachgeschmack. Wenn die einzigen lachfreien Minuten die Couplets bleiben, ... Ja da hab´ i scho´gnuag!
Kollege Stadelmaier von der FAZ fühlte sich übrigens schon fast persönlich beleidigt, hatte man das Gefühl: Eine Kaskade an Bösartigkeiten prasselte Montags aus dem Feuilleton auf Regisseur David Bösch nieder. Herrn Stadelmaiers Art sich über die fehlende feine Klinge zu beschweren, indem er zu einem Rundumschlag ansetzt - das ist wiederum schon fast Unterhaltung auf Couplet-Niveau:

"Alle aber klamautokoten sich an und wischen an Nestroys Rollen Hinter- und Vorderteile ab. 
Köpfe kommen nicht in Betracht. 
Das Publikum freilich ist glücklich und lacht sich so tot, wie Nestroy hier ist."

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